die wand war durchbohrt. das geweih steckte in den brettern fest. er hatte kaum anlauf gehabt. er hatte eigentlich keinen anlauf gehabt, ausser das hinterteil quer zu stellen und krumm gegen die wand zu schmettern. als er das geweih nicht mehr zurückziehen konnte, weil es feststeckte, gab er auf. was dort verendete und stank war nicht mehr da. auch fell und knochen waren nicht mehr zu finden. die tür stand jetzt offen. ich stand unter dem schädel und starrte auf die brütende henne. sie nickte. wenn niemand käme, würde sie das ei ausbrüten. der buchhalter stand draussen und als er sah, dass ich dastand, ging er. das stroh auf dem die henne brütete glänzte golden. der grünweiße kot klebte und buk fest. die farbe auf der leinwand war längst trocken. die leinwände standen an die wand gelehnt. auf dem sims, den sie bildeten, bauten sich kleine gebirge aus hühnerkacke auf. ein schillernder käfer krabbelt da durch. das vordere bild des stapels war geschändet. was ist nein, stand dort ohne fragezeichen. ich wischte über die leinwand. es war nur kreide und staub. dahinter erschienen augen, nase und der rest blieb noch verborgen. aber wo war der maler. eine andere henne war hineingeflattert und brauchte zeit zur ruhe zu kommen. ich bemerkte den vorhang neben mir erst, als er sich bewegte. wenn dahinter der maler ist, dann hält er sich atemlos still verborgen. da kam der buchhalter zurück und stieg durch die tür als er sah, das ich mich nun dem zuwendete, weshalb ich hierher gekommen war. da nun aber trotz zweier gäste der maler immer noch nicht atmete, kam mir ein grusel und griff mir ins haar. der buchhalter aber trat in die mitte und zog den vorhang zur seite. das licht, das durch die tür eintrat reichte nicht weit genug, so das ich ins dunkele blickte und ersteinmal nichts sah. aber ein brummen hörte ich. ein mann trat aus dem dunkelen und kippte mir einen bären ins gesicht, der sich verneigte und brummte. der mann trug eine seefahreruniform, eine zu grosse. der hagere mann im blauweissen stoff grinste und schien freundlich. er streckte mir den bären entgegen, aber als ich ihn nehmen wollte, schüttelte er den kopf und zog ihn zurück. der buchhalter, der bisher noch nie geflüstert hatte, teilte mir sehr leise, ich musste mich hinüberbeugen, mit, der sei nicht der maler, nein, das sei ein guter bekannter, ein freund des malers, das sei der fischtäuscher. "ah", sagte ich, "den kenne ich, aber irgendwie habe ich ihn nicht wiedererkannt", ich fuhr fort, "ja, den fischtäuscher kenne ich". und ich erinnerte mich. es klapperte, als die tapetentüren, die mir ihn den sinn kamen, aufgestossen wurden. die hexenbänder öffnete sie zu beiden seiten. und ich war dem fischtäuscher nachgelaufen, der immer voraus war, und seine scherze hinter die nächste tür trug. nun sah ich ihn also wieder und hatte ihn nicht erkannt. wieso trug er die uniform des wasserhelden. ich werde ihn das mal fragen, aber nicht jetzt. der buchhalter hatte bereits nach dem maler gefragt, "ist er noch da?" hat er ihn gefragt und der fischtäuscher antwortete beleidigt "na klar. ich hab ihn nicht mitgenommen. ich darf ihn doch sehn, wie abgemacht, jederzeit sehen, und auch hierbleiben, zu seinen füssen ein bett bereiten und schlafen und träumen". er seufzte. der buchhalter gab sich milde und wollte ihn nicht mehr schelten. "er hat ihn schon einmal weggetragen", raunte er mir zu. "ich musste ihn mit dem wagen zurückholen" ergänzte er hörbar. "nur das eine mal, um abschied zu nehmen", rechtfertigte sich der fischtäuscher. dann schien er zornig und beinahe wäre es aus ihm herausgepoltert, was der buchhalter aber verhinderte, denn er drehte kopf zur seite, um dessen blick auszuweichen. was für eine geschichte, und weshalb die vorbehalte. der buchhalter sagte nichts, aber mir war klar, er wollte das stück auf seine weise in szene setzen und erlaubte nicht, das es unbedacht ausgeplaudert wird. ich spürte das erste mal ein unbehagen, über die art und weise, wie mir die geschichte nahe gebracht wurde. "wir gehen später noch einmal rüber", sagte der buchhalter und lies den vorhang wieder schliessen. wir folgten ihm und kamen gerade recht zur kaffeetafel, die die frau gedeckt hatte. der fischtäuscher begrüßte sie mit einem kuss auf den mund, dann küsste er den schwarzen, mir gab er einen kuss aufs ohr, der buchhalter bekam garkeinen.
Donnerstag, 14. März 2013
32. fortsetzung "nirgendwo"
die wand war durchbohrt. das geweih steckte in den brettern fest. er hatte kaum anlauf gehabt. er hatte eigentlich keinen anlauf gehabt, ausser das hinterteil quer zu stellen und krumm gegen die wand zu schmettern. als er das geweih nicht mehr zurückziehen konnte, weil es feststeckte, gab er auf. was dort verendete und stank war nicht mehr da. auch fell und knochen waren nicht mehr zu finden. die tür stand jetzt offen. ich stand unter dem schädel und starrte auf die brütende henne. sie nickte. wenn niemand käme, würde sie das ei ausbrüten. der buchhalter stand draussen und als er sah, dass ich dastand, ging er. das stroh auf dem die henne brütete glänzte golden. der grünweiße kot klebte und buk fest. die farbe auf der leinwand war längst trocken. die leinwände standen an die wand gelehnt. auf dem sims, den sie bildeten, bauten sich kleine gebirge aus hühnerkacke auf. ein schillernder käfer krabbelt da durch. das vordere bild des stapels war geschändet. was ist nein, stand dort ohne fragezeichen. ich wischte über die leinwand. es war nur kreide und staub. dahinter erschienen augen, nase und der rest blieb noch verborgen. aber wo war der maler. eine andere henne war hineingeflattert und brauchte zeit zur ruhe zu kommen. ich bemerkte den vorhang neben mir erst, als er sich bewegte. wenn dahinter der maler ist, dann hält er sich atemlos still verborgen. da kam der buchhalter zurück und stieg durch die tür als er sah, das ich mich nun dem zuwendete, weshalb ich hierher gekommen war. da nun aber trotz zweier gäste der maler immer noch nicht atmete, kam mir ein grusel und griff mir ins haar. der buchhalter aber trat in die mitte und zog den vorhang zur seite. das licht, das durch die tür eintrat reichte nicht weit genug, so das ich ins dunkele blickte und ersteinmal nichts sah. aber ein brummen hörte ich. ein mann trat aus dem dunkelen und kippte mir einen bären ins gesicht, der sich verneigte und brummte. der mann trug eine seefahreruniform, eine zu grosse. der hagere mann im blauweissen stoff grinste und schien freundlich. er streckte mir den bären entgegen, aber als ich ihn nehmen wollte, schüttelte er den kopf und zog ihn zurück. der buchhalter, der bisher noch nie geflüstert hatte, teilte mir sehr leise, ich musste mich hinüberbeugen, mit, der sei nicht der maler, nein, das sei ein guter bekannter, ein freund des malers, das sei der fischtäuscher. "ah", sagte ich, "den kenne ich, aber irgendwie habe ich ihn nicht wiedererkannt", ich fuhr fort, "ja, den fischtäuscher kenne ich". und ich erinnerte mich. es klapperte, als die tapetentüren, die mir ihn den sinn kamen, aufgestossen wurden. die hexenbänder öffnete sie zu beiden seiten. und ich war dem fischtäuscher nachgelaufen, der immer voraus war, und seine scherze hinter die nächste tür trug. nun sah ich ihn also wieder und hatte ihn nicht erkannt. wieso trug er die uniform des wasserhelden. ich werde ihn das mal fragen, aber nicht jetzt. der buchhalter hatte bereits nach dem maler gefragt, "ist er noch da?" hat er ihn gefragt und der fischtäuscher antwortete beleidigt "na klar. ich hab ihn nicht mitgenommen. ich darf ihn doch sehn, wie abgemacht, jederzeit sehen, und auch hierbleiben, zu seinen füssen ein bett bereiten und schlafen und träumen". er seufzte. der buchhalter gab sich milde und wollte ihn nicht mehr schelten. "er hat ihn schon einmal weggetragen", raunte er mir zu. "ich musste ihn mit dem wagen zurückholen" ergänzte er hörbar. "nur das eine mal, um abschied zu nehmen", rechtfertigte sich der fischtäuscher. dann schien er zornig und beinahe wäre es aus ihm herausgepoltert, was der buchhalter aber verhinderte, denn er drehte kopf zur seite, um dessen blick auszuweichen. was für eine geschichte, und weshalb die vorbehalte. der buchhalter sagte nichts, aber mir war klar, er wollte das stück auf seine weise in szene setzen und erlaubte nicht, das es unbedacht ausgeplaudert wird. ich spürte das erste mal ein unbehagen, über die art und weise, wie mir die geschichte nahe gebracht wurde. "wir gehen später noch einmal rüber", sagte der buchhalter und lies den vorhang wieder schliessen. wir folgten ihm und kamen gerade recht zur kaffeetafel, die die frau gedeckt hatte. der fischtäuscher begrüßte sie mit einem kuss auf den mund, dann küsste er den schwarzen, mir gab er einen kuss aufs ohr, der buchhalter bekam garkeinen.
Donnerstag, 7. März 2013
31. fortsetzung "nirgendwo"
das nebelhorn blies. aber ich konnte nicht aufstehen. ich versuchte es, aber es hielt mich am boden. ich lies mich in ruhe und meine nasenspitze wurde kalt. der nebel umhüllte den garten, den park, das schloss und alle flüsse, den größten der flüsse. er senkte sich vom himmel. meine nase steckte in der erde. da pflanzte sich eine hortensie daneben und duftete. ich bat sie woanders hinzuziehen, da ich das tal hinabsehen wollte, wenn der nebel verschwunden ist, obgleich er noch immer nässer und schwerer wurde, salzig roch und auch wieder dieses nebelhorn krach machte. die hortensie blieb und mir blieb nichts übrig, mich ruhig zu halten, da ich immer noch nicht losgelassen wurde. was konnte eine umarmung bedeuten, die so fest war, so umfänglich, und von unten kam. eine weile geschah nichts weiter. dann aber fühlte sich die umarmung an, als läge ich am leib einer milchigen frau. es roch so unverwechselbar süß. da ich nichts sah, bildete ich mir ein, das mich ein kühler schneeweiser leib berührt. und ich sah meine geliebte fern im tal auf einem fahlen ross. ich konnte nun den kopf wenden und die nase schnupperte erst einmal keine erde, sondern wieder frische luft. ich ärgerte mich nun im gras zu liegen. da tauchte der buchhalter verkehrtherum auf. er hing mit dem kopf unten über mir. "soll ich dir den maler zeigen? du kannst dich erinnern? wenn du dich nicht erinneren kannst, solltest du den maler sehen." ich überlegte. was ich ihm vorwerfen wollte, konnte ich nicht. ich war es dessen nase tief drinn steckte. ich wollte sie mir abwischen, schlug aber mit dem arm gehen ein hindernis. von unten war ich zwar losgelassen, doch nun an der hüfte eingekeilt, so dass ich mich nicht gleich drehen konnte. ich ruckte herum und kam auf den rücken zu liegen. es waren die füße des schwarzen, die mich hinderten. er stand aufrecht über und hielt den buchhalter, der ja kleiner war, viel kleiner war, denn der schwarze war ein riese. er hatte den buchhalter an die knöchel gepackt und lies ihn an seinen gestreckten armen herabhängen. deshalb sah ich ihn verkehrtherum. der verkehrte kopf redete weiter und erneut kam er auf den maler zu sprechen. "der maler", sagte er "ist etwas ganz besonderes". ich lag ja nun auf dem rücken und da ich mich fast schon wieder wie ein faulpelz räkeln konnte, froh war, das die erde mich nicht genommen hatte und die hortensie nicht mein grab schmückte, ging ich schliesslich auf seine ansprache ein und fragte, "was den für ein maler, hier im garten oder ist einer zu besuch?" "nein", sagte er "nicht zu besuch. er ist da, schon immer, er war schon da. und ich habe es nicht übers herz gebracht ihn fortzugeben". sein kopf war schon ganz rot vom herabhängen und da dem schwarzen die kraft ausging, lies er den buchhalter wieder hinab auf den boden, wo er sich hinsetzte. der schwarze blieb stehen und verschränkte die arme vor der brust, wie ein haremswächter. so stand er da, als bewache er den eingang. ich setzte mich auch und betrachtete den buchhalter. der zeigte ungefähr, ohne hinzusehen, nach hinten, wobei sein arm wie ein wetterhart herumirrte, was er wohl bemerkte, den er blickte ihm nun nach und zeigte dann genau auf die bretterbude aus der gerade ein huhn herausflatterte und lärmte. "da drinn kannst du ihn sehen, den maler".
Montag, 25. Februar 2013
30. fortsetzung "nirgendwo"
der schwarze hatte sich aufgeblasen, klatsche mit der hand gegen die backen, die er dabei entleerte, wobei die lippen quietschten und furzten. das hinterteil streckte er dem buchhalter entgegen und bat ihn darauf zu trommeln. als alle nassen ecken trocken waren, lag immer noch die büste des diktators im gang. im wald aber stand auf hohen beinen ein runder vogel und spreizte das gefieder. da hielt ich mich am gras fest, rupfte es und kratze solange, bis die erde fett und feucht und schwarz um meine finger wuchs. aus dem kleinem grab wand sich ein rosa wurm. ich zupfte gänseblümchen und deckte ihn zu. der buchhalter klatschte den schwarzen ab und der quiekte. bald grunzten beide und verschwanden. die frau hatte gerufen und sie kamen mit wäsche zurück. die laken trennten den garten vom haus und blitzen auf der leine. kaum hingen sie, ging eine sanfte brise. ich atmete auf. streckte mich wieder nach den kuhlen, doch hielt ich die hände nur darüber, als dächten sie. die finger nickten dann zu jeder frage und kasperten.
"wirst du dich bald vermählen?". "nein, das möchte nicht. ich will noch jungfrau bleiben. bin doch ein mädchen. dreh mir gern das haar und flechte es zu zöpfen". "ach, komm, nun zier dich nicht. du musst doch von der liebe naschen". "bedräng mich nicht. und will ich fort, dann lass mich". "nun sei nicht böse. ich kann warten, bis du artig kichernd lispelst und ganz von selbst die lippen spitzt, als pfiffst du nach den vögelein". sie kichert. "da kannst du lange warten, frecher kerl. igitt, wie sehen deinen finger aus. ganz schwarz!". ich hielt den schwarzen finger vor den mund und flüsterte und zeigte. "siehst du, da, ein eichhörnchen, holt sich von den nüssen". ich blinzelte und kniff die augen, bis die ferne schmolz und licht zu glitzersteinen wurde die in den nebel fielen.
Freitag, 25. Januar 2013
29. fortsetzung " nirgendwo"
ich verliere ständig etwas. letztlich verliere ich alles. ich verliere das bewusstsein. alles findet im schatten statt. in der dunkelheit sehe ich nichts. die beiden waren voran gegangen und schritten langsam vor mir in den garten, der erblüht war. in diesem jahr schienen mehr blumen aus der erde geschlüpft als vorher. ich schaute und blieb zurück. ich bemühte mich um ein bild, das ich als wichtig empfand, das mir aber garnicht als bild abhanden gekommen ist. wie kann man etwas vermissen, das man nicht mehr denken kann. ich hatte das gefühl, das es da sein musste, wusste aber nicht wie es aussah, wie es roch oder schmeckte . ich suchte verzweifelt nach dem bild, das ich nicht kannte. ich weiss aber, es muss da sein, sonst wäre es mir nicht so wichtig. ich versuchte es mit verstellten augen. ich zwinkerte. da tauchte aber ein anderer garten auf. ich sah hinüber über die wiese hinweg. es war ganz hinten am umgegrabenen land. der vogel schrie. die alte hielt in der hand und zog den hals heraus und drehte ihn herum. der alte sah zu. ich verstummte. dann warf sie den vogel auf den boden und er stach mit dem spaten hinein. nun wusste ich, was eine zeitlupe ist. sie funktionierte auch so, wie eine lupe. ich wurde hineingezogen. hätte der hahn nicht geschrien, wer weiss, wo ich noch hineingeraten wäre. ich tauchte wieder auf und suchte die anderen. der schwarze schwatze noch mit dem buchhalter. als er mich bemerkte, winkte er mich herbei. ich kam heran, hatte aber keine lust zu reden. im vorbeigehen nahm ich meine jacke, die er mir entgegenhielt. ich lies mich ins hohe gras fallen und schob sie mir unter den kopf. ich roch das heu, das auf der anderen seite lag. ich robbte hinüber und grub darin, bis ich nackte kleine mäuse fand. sie waren rosa wie schweinchen. wenn ich sie mitnähme und jemand in den briefkasten würfe, wäre ich ein mäusemörder, wenn ich eine schnecke im taschentuch unter wasser hielt, auch ein mörder. ich blieb liegen, streckte die hände nach hinten und lies die mäuse krabbeln. wenn jetzt ein grosser vogel vom himmel stürzte, würde er mir aus der hand fressen. schnell schob ich sie zurück ins feuchte warme heu. ich schloss die augen und spürte die glühende sonne durch die lider scheinen. ich verbannte alle taschentücher aus den händen der jungen. an die alten wollte ich nicht mehr denken. die stille trat in die mitte und nahm grüße entgegen. das war alles.
Donnerstag, 17. Januar 2013
1. fortsetzung "GERHARD 1947"
das haus war sehr klein, aber der garten riesig. vor dem haus war der hof gepflastert. der nutzgarten erstreckte sich längs der kunoldstrasse bis zur drusel, die unter der strasse die seite wechselt und sich weiter schlängelt. von der haustür aus führte der hof nach unten am schuppen vorbei, der rechts lag und als hühnerstall diente. die hühner kamen von der rückseite über die leiter hinein. auf der andern seite des weges der sich am ende des hofes ergab, lag eine feine gartenlaube, ein pavillon aus holz, annähernd rund, unter dem hohen butterbirnenbaum. rote grütze mit sago im sommer oder grüner wackelpeter.
"GERHARD 1947"
1947 ist mein geburtsjahr. an die folgenden ersten jahre habe ich keine wahrnehmbare erinnerung. so erinnere ich mich ersatzweise an einiges, das man später darüber erzählte. die mutter erzählte gern, ich hätte beim schlafen mit einer hand das ohr und der andern den penis festgehalten. die kammer zum schlafen war winzig und das einzige fenster ging zur wand des nachbarhauses. der gang zwischen den häusern war etwa einen halben meter breit. also war es dunkel. unter dem zimmer wurden die kohlen gelagert, die durch eine bodenklappe eingeschüttet wurden. ich konnte nicht atmen und kam ins krankenhaus. mein grossvater sorgte sich und ich spürte es. ich versteckte das nicht aufgegessen brot im nachttisch. die krankenschwester zwang mich. es schmeckte alt und muffig. ich öffnete die klappgitter am nachbarbett. das kind stieg heraus. ich wurde geschimpft. bevor ich in die schule kam, musste ich nochmal ins krankenhaus. ich wurde durch den gang geschoben und der blinddarm wurde herausgeschnitten. ich bekam einen bruder und eine schwester noch bevor ich in die schule musste. am schultor wurden haferflocken verteilt. kleine tüten zum probieren. eigentlich zu trocken, aber ich hatte genug speichel und nach backenzähne. ich war überzeugt, und hatte seitdem die gewohnheit, nachts beim lesen im bett haferflocken, mit zucker und kakaopulver vermischt, zu futtern. wenn das licht ausgeschaltet war, las ich mit der taschenlampe heimlich unter der decke.
Montag, 14. Januar 2013
28. fortsetzung "nirgendwo"
man weiss nie, ob sie sich verstecken. gerade als ich folgen wollte, blitzte es auf. etwas hatte den spiegel von der rückseite her durchschlagen. ich schrie auf. die scherben steckten auf mir. ein splitter bewegte sich und näherte sich meinem herzen, so das ich ihn hinauszog. ich blickte darauf und fand dort nicht das ebenbild, sondern sah, dass die bilder aufeinanderfolgten. ich sah mich selbst, aber ihn bewegung. das was ich sah, gefiel mir nicht. die gesichter, über die ich hinwegstapfte, waren mir zu gut bekannt, so das ich sagen muss, ich trat auf die gesichter meiner freunde, lief auf ihnen herum, dabei hieb ich mit einen stock auf den kopf meiner frau. weder die hiebe, noch die tritte, obwohl ich wie rasend immer wiederholt zuschlug, hinterliessen verletzungen, ja meine wahnsinnigen taten wurden vollkommen unbeachtet hingenommen, nein, sie wurden garnicht wahrgenommen. ich erschöpfte mich in meiner raserei. als ich einen augenblick nach unten sah, bemerkte ich, das ich noch nicht getroffen war. das scherbenfeld hatte mich zwar umzingelt, aber nur diese scherbe, die ich in meiner hand hielt, war unter die haut geraten und hatte somit getroffen. der reihe nach. erst einmal, welcher aussenposten?, welche ansicht konnte von da draussen wirken?, das ich mich gespickt sah, von einem geschehen betroffen, das den spiegel zerbersten liess und die scherben in geordneter form auf mich zu schleuderte, wie pfeile, statt mich chaotisch torkelnd zu erreichen. ich akzeptierte, das es aussensichten gab, die mich erreichten, ohne das ich selbst ausser mir war. oder war ich in dem gebirge der ereignisse herumgeklettert und hatte die gelegenheit mir selbst einen festen posten zu reservieren, mich selbst dort zu belassen, um mich aus der ferne zu informieren. konnte ich aus mir heraustreten und in der zwischenzeit herumlaufen. ich dachte auch an die möglichkeit, das ich bloß einer idee folgte, ich also garnicht wirklich getroffen werden sollte. aber ich hielt ja die scherbe in der hand, hatte den beweis in der hand. wenn das wirklich geschehen war, war die folge, das ich von den scherben getroffen würde, unaufhaltsam und nur die raserei im zentrum meiner wahrnehmung, erzeugte die scheinbar angehaltene zeit. ich stand keinem täter gegenüber, der innehalten konnte, den ich beeinflussen konnte, den ich überrumpeln konnte, den ich mit meinem blick lähmen konnte. ich hatte nur die wahl zu irren oder einer beschleunigung meiner wahrnehmung. auch wenn es mir möglich wäre, die beschleunigung soweit voran zu treiben, das ich zeit für ein ganzes leben gewönne, könnte nur das gift des schlafes mich vergessen lassen und die scheinbar gewonnene zeit vergolden. die ausgangssituation, erinnerte ich, war, obwohl ich aufschrie, unerschrocken. der schrecken kam nicht an, nur die erschöpfung, der die lähmung folgte, nicht die müdigkeit, wie nach dem tagwerk. die scherbe in meiner hand zeigte mir nun nichts mehr und ich senkte den arm. wäre es nicht an der zeit, das es geschähe, das nun der angehaltene rest mich durchbohrt. ich dachte, wenn es mich nicht schreckt, was ist es dann. war es eine art von botschaft, eine warnung?. von wem kam sie?. ich konnte mich des geschehenen, das mir der blick in die scherbe vermittelt hatte, nicht erinneren, eher hatte es den anschein, das es geschah, als ich es beobachtete. ich entschied mich. ich wollte es beenden. es war einen moment ruhe. dann prasselten die scherben an mir ab. die energie, die sie trugen, hatte sich erschöpft. zurück blieb der schrecken, vor der möglichkeit des bösen.
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