frau paff kam mir dazwischen, sie griff nach dem krummstab, der junge hielt dagegen, es gab ein gerangel. "hast du den geklaut?", ich wollte gerade dem raben das püppchen aus dem schnabel nehmen. der war aber hochgeflogen, als frau paff zugriff, er landete gerade auf der wiese und ließ das püppchen los, er hatte eine nuß, schon geknackt und pullte in der schale. ich griff nach dem püppchen und nahme es vorsichtig hoch. ich betrachtete es und fand, das es aussah wie der unbekannte weggeselle, der am stadtor verunglückt war und sich verwandelt hatte, als er über mich hinwegsprang. das war er, so wie er aussah, als er da unten tot am steinhaufen lag, von dem er gefallen war. frau paff hatte aufgehört um den stab zu rangeln. "behalt ihn doch, ich will ihn nicht!". der kerl war zufrieden und blieb freundlich, "henkel", stellte er sich vor und streckte frau paff die hand hin. paff nahm sie und drückte sie. da waren sie versöhnt und beäugten sich. der rabe beäugte mich, der sein püppchen in der hand hielt und nachdachte. frau paff kam und sah auf das leblose kleine ding, das ich ihr entgegentrug, "das ist der utgeritten, ganz gewiß, das isser!". sie starrte das püppchen an und nahm es entgegen. "der arme uitgeritten, was dem passiert ist?", rätselte sie. "ist mir auch mal passiert", war mir plötzlich eingefallen und schon hatte ich es dahingesagt, frau paff hörte mir nicht zu, sie hatte den herrn uitgeritten gerade in ihrer schürze verstaut, ein arm und der kopf guckten heraus. was war mir passiert, fragte ich mich und es dämmerte mir, eine kötze, aus der ich rausschaute, und ich rief "marie, omarie!", an mehr konnte ich mich nicht erinnern. ich war aber quicklebendig damals und nicht so klein wie der herr uitgeritten. "was mach ich jetzt mit dem herrn uitgeritten?", fragte frau paff. "wo kommt der her?", fragte sie mich und ich sagte es ihr. "aber wo hat der rabe ihn her?" da sprach der henkel, "fand ihn bei der leiche an der eiche. der bischof hielt ihn in der hand". ich dachte er sprach vom krummstab, "das püppchen, das der uitgeritten ist, das hatte der bischof in der hand, als ich ihn fand", reimte er weiter. "ein püppchen und der stab, was sollen die im grab?". der kerl hat also einen toten bestohlen, und jetzt, wo will er denn hin, überlegte ich, da war der rabe wieder zu ihm zurückgekehrt und krächzte laut von der schulter kerls, den frau paff jetzt mit namen ansprach. ich hatte immer noch keinen und grübelte weiter.
Mittwoch, 11. März 2015
115. fortsetzung "nirgendwo "
frau paff kam mir dazwischen, sie griff nach dem krummstab, der junge hielt dagegen, es gab ein gerangel. "hast du den geklaut?", ich wollte gerade dem raben das püppchen aus dem schnabel nehmen. der war aber hochgeflogen, als frau paff zugriff, er landete gerade auf der wiese und ließ das püppchen los, er hatte eine nuß, schon geknackt und pullte in der schale. ich griff nach dem püppchen und nahme es vorsichtig hoch. ich betrachtete es und fand, das es aussah wie der unbekannte weggeselle, der am stadtor verunglückt war und sich verwandelt hatte, als er über mich hinwegsprang. das war er, so wie er aussah, als er da unten tot am steinhaufen lag, von dem er gefallen war. frau paff hatte aufgehört um den stab zu rangeln. "behalt ihn doch, ich will ihn nicht!". der kerl war zufrieden und blieb freundlich, "henkel", stellte er sich vor und streckte frau paff die hand hin. paff nahm sie und drückte sie. da waren sie versöhnt und beäugten sich. der rabe beäugte mich, der sein püppchen in der hand hielt und nachdachte. frau paff kam und sah auf das leblose kleine ding, das ich ihr entgegentrug, "das ist der utgeritten, ganz gewiß, das isser!". sie starrte das püppchen an und nahm es entgegen. "der arme uitgeritten, was dem passiert ist?", rätselte sie. "ist mir auch mal passiert", war mir plötzlich eingefallen und schon hatte ich es dahingesagt, frau paff hörte mir nicht zu, sie hatte den herrn uitgeritten gerade in ihrer schürze verstaut, ein arm und der kopf guckten heraus. was war mir passiert, fragte ich mich und es dämmerte mir, eine kötze, aus der ich rausschaute, und ich rief "marie, omarie!", an mehr konnte ich mich nicht erinnern. ich war aber quicklebendig damals und nicht so klein wie der herr uitgeritten. "was mach ich jetzt mit dem herrn uitgeritten?", fragte frau paff. "wo kommt der her?", fragte sie mich und ich sagte es ihr. "aber wo hat der rabe ihn her?" da sprach der henkel, "fand ihn bei der leiche an der eiche. der bischof hielt ihn in der hand". ich dachte er sprach vom krummstab, "das püppchen, das der uitgeritten ist, das hatte der bischof in der hand, als ich ihn fand", reimte er weiter. "ein püppchen und der stab, was sollen die im grab?". der kerl hat also einen toten bestohlen, und jetzt, wo will er denn hin, überlegte ich, da war der rabe wieder zu ihm zurückgekehrt und krächzte laut von der schulter kerls, den frau paff jetzt mit namen ansprach. ich hatte immer noch keinen und grübelte weiter.
Montag, 9. März 2015
114. fortsetzung "nirgendwo "
es knackste, da ging einer und trat auf trockene zweige. frau paff scharrte mit den schuhen die aufgefüllte grube glatt. ich horchte, ob es doch die schweine waren, dort hinten, wo es herkam das geräusch. es knackste wieder, da schleicht sich einer an, da war ein tritt, kein galopp. "da ist einer!", frau paff lauschte kurz, sehr kurz, "höre nichts!". jetzt war da auch nichts. ich und frau paff standen herum. die grube war zu. es hätte zurück gehen können, zum haus, aber es ging nicht, wir standen da versonnen und jeder blickte so für sich dahin. ich auf das, was gerade herumkrabbelte, ein käfer warf ein blatt um und fiel dann selbst auf den rücken. frau paff hatte die hände in der kittelschürze und schien anzuwachsen, sie schaute jetzt rüber, ich hatte mich gebückt und half dem käfer wieder auf die beine. da sah ich jemanden kommen. der war auch schon gleich da. ein junger kerl, schlacksig kam er daher, und wenn er nicht einen krummstab hielte und ein rabe auf seiner schulter höckte, ich hätte ihn zurück gegrüßt und nach einigen gewechselten worten erwartet, daß er weiterginge. der junge schaute nach der grube. "was begraben?", er sah frau paff an. "ja!", sagte sie, "den hund?", fragte er, frau paff wollte nicht lügen, "nein, das schwein" ich ging einen schritt vor und dachte, daß frau paff mir nachkäme, damit wir nicht mehr in der nähe der grube blieben. frau paff kam zusammen mit dem jungen nach. wir standen nun schon auf der wiese und zeigten uns alle im sonnenlicht. frau paff pfiff sich eine haarlocke aus der stirn und wischte sich den schweiß darunter ab. sie hatte die grube ganz alleine ausgehoben und wieder zugeschaufelt. der junge hielt den krummstab, als wäre er sein stolzer besitzer, was ich bezweifelte. er hielt ihn aber trotzdem so, als wäre er beauftragt, den krummstab, der so wertvoll war, durch die welt zu tragen und zu zeigen. hätte er einen schellenbaum stattdessen, würden mir jetzt die ohren klingen. dann war da noch der rabe auf seiner schulter, den er sicher nicht gezwungen hatte, dort zu sitzen. er zupfte sich gerade das gefieder, verbarg den schnabel unter dem flügel, als der schnabel wieder herauskam, da trug er ein püppchen, das hing quer im schnabel. ein männlein, grau angezogen, es sah so natürlich aus, als wäre es ein liliputaner, der leblos im schnabel des raben hing.
Samstag, 28. Februar 2015
113. fortsetzung "nirgendwo"
ich war wachgeworden. die vögel zwitscherten. ich lag mit frau paff auf der hollywoodschaukel in der loggia. frau paff war mein ruhekissen gewesen, meinen kopf hatte sie auf ihrem schoss gestattet. sie machte noch keine anstalten aufzuwachen, sie schnarchte ganz sonor und gleichmäßig, beinahe hätte ich mich wieder hingelegt. auf dem tisch stand die leere flasche schnaps. eine papierlaterne, ein mond, grinste zu mir herunter und ich erinnerte mich, daß sie so goldgelb geleuchtet hatte, den ganzen abend. ich stand auf, frau paff murrte im schlaf. ich öffnet die tür zum hof und schloss sie gleich wieder. es stank, das schwein stank, es begann zu verfaulen. ich stupste frau paff an, doch sie wollte die augen nicht aufmachen. "frau paff, das schwein, es stinkt!". frau paff lies die beine von der schaukel und setzte sich auf, die augen noch geschlossen. sie öffnete sie, als sie antwortete. "das ist ja ...!", und brach ab. sie stand auf und kam an die tür, blickte auf das schwein am haken. "da ist nichts mehr zu machen, es muß weg, gleich, nicht auszuhalten!", sie hielt sich die nase zu. ich war nicht begeistert, nochmal anfassen zu müssen, aber wenn es da weiter hing, würde es von stunde zu stunde schlimmer, eine ratte war schon vorbeigehuscht und fliegen kamen vorsichtig, nippten, brummten, flogen unruhig auf, ich glaube jetzt sind es schon sieben, acht oder zehn. frau paff löste den flaschenzug und das schwein vom haken, sie lies es zu boden gleiten und ging ein seil holen. wir zogen das schwein durch den garten und kamen zum zaun. frau paff nahm die bretter beiseite, die dort an der bruchstelle eingesetzt waren und wir konnten durch. mit dem schwein im schlepptau zogen wir durch die morgenwiese, wo es der tau wusch und ich wünschte mir, es würde wieder anfangen zu quieken, eine auferstehung an einem so schönen morgen wäre nur gerecht. aber es geschah nicht. da hatten wir es schon über die wiese gezogen und tauchten in den wald ein, unter die tannen. "so hier begraben wir es, hier ist der boden locker", sagte frau paff.
Freitag, 20. Februar 2015
112. fortsetzung " nirgendwo "
sie hatte die zigarette aufgeraucht und wollte wieder ins haus gehen, "moment!, warten sie..", "ja?". "könnte ich im zimmer des herrn utgeritten übernachten, ich weiß nicht, wo ich sonst unterkomme". sie schaute mich an, schätzte mich ab, betrachtete mich eindringlich von kopf bis fuß, jemanden, den sie eben erst kennengelernt, mit ihm geplaudert hatte, wollte sie noch einmal gründlich mustern, bevor sie ihn ins haus ließ. "ja, warum nicht", sagte sie, "der utgeritten wird's erdulden müssen, soll froh sein, daß ich alles aufhebe, könnte es auch verkaufen, die bücher, aber es wird sie etwas kosten, umsonst mache ich's nicht", sie rieb sich den daumen, "sie zahlen mir, was er mir schuldet und sie können sein zimmer haben, mit den büchern, ich glaube der utgeritten kommt nicht wieder!". "ich hatte doch deutlich nur nach einer übernachtung gefragt", dachte ich. "übernachten sie mal, dann werden wir schon sehen", gab sie bei, als hätte sie mich denken hören. "kommen sie rein!", sie ging vor mir her und hielt die türen auf, bis ich ihr gefolgt war, "hier ist das örtchen!", sagte sie, als wir im flur standen, "hier gleich" und öffnete kurzerhand die tür, das kleine oberlicht hatte ich schon von der strasse gesehen, weil darin ein vogelnest war. der flur ging zur treppe zum obergeschoß. "kommen sie mal, bevor wir hinaufgehen, kommen sie mal mit". sie ging an der treppe vorbei. "hier ist die küche, wenn sie sich was zubereiten wollen, sie können auch mit mir essen". die kueche war überraschend groß für das schmale reihenhaus. "kommen sie mal rein!" ich war auf der schwelle stehengeblieben und hing mit dem blick am fenster der küche, durch das, das von der anschliessenden loggia gedämpfte licht fiel. "da gehts in den garten, in den hof. aber jetzt helfen sie mir erst mal", ich wandte meinen blick, sie zeigte zum boden,".. das schwein aus der küche zu tragen, das soll doch hier nicht liegenbleiben, so tot, das war knapp, sie hättens ja nicht gesehen, wenn ich da läge und das schwein an mir frisst!". das schwein lag auf dem steinboden der küche und war tot, das versicherte ich der frau, die immer noch fürchtete es würde wach. ich fragte sie jetzt nach ihrem namen, einfach so, nachdem ich das tote schwein da liegen sah, wollte ich doch wissen, wie ich sie anrede. da fiel mir wieder ein, daß ich selbst noch keinen namen hatte, aber da hatte frau paff sich schon vorgestellt, und ließ mir garkeine gelegenheit, mir einen namen auszudenken. "packen sie an, wir schleppen es auf den hof". sie bückte sich gleich, um es an den vorderpfoten zu packen und sah von unten zu mir hoch, "nehmen sie es dahinten", ich packte die hinterpfoten. doch war ich nicht imstande es anzuheben. "so gehts nicht, kommen sie her" und überließ mir die eine vorderpfote. so schleppten wir das schwein über die loggia hinaus in den hof. ich verschnaufte, doch sie war noch nicht fertig, "jetzt an den haken". der in der wand eingelassene haken, diente wohl zum schlachten, und ich begann an ihrer geschichte zu zweifeln, hier hat nicht zum ersten mal was gehangen. über dem haken war ein flaschenzug. ich half ihr noch das schwein heraufzuziehen. da hing es nun. ich sah mich um. dem hof schloss sich ein garten an. darin stand ein einziger großer pflaumenbaum. frau paff zeigte auf den notdürftig geflickten zaun. "da ist es reingekommen, letzten sommer, viele plaumen am baum, grosse süße, große gelbe, saftig!", sie leckte sich über die lippen, die frau paff. "hatten einen sturm, der sie vom baum geschmissen hat, da ist ein ast abgebrochen, ich lag ein paar tage flach und die pflaumen am boden rochen und gärten, das schwein brach durch den zaun, fraß sich den bauch voll, lag besoffen im hof. ich wollte es scheuchen, es wollte mich beissen, und schon war's im haus. den ganzen winter über, ich habs gefüttert bis gestern, da waren keine kartoffel mehr da, es jagte mich durchs haus, ich habe den spaten genommen und zugeschlagen!". sie ließ die zunge raushängen, spielte den erhängten, wie man's tut, erleichtert, daß man's geschafft hat, und hielt sich die hände an den kopf, ja so erleichtert war sie.frau paff prustete. "jetzt gönnen wir uns erst mal einen schluck!", sagte sie und deckte den tisch in der loggia.
aber jetzt helfen sie mir erst mal",
ich wandte meinen blick, sie zeigte zum boden,
".. das schwein aus der küche zu tragen"
Donnerstag, 19. Februar 2015
111. fortsetzung " nirgendwo "
ich war es müde geworden, durch die tote stadt zu laufen. der namenlose, der ich noch war, die versuche mich zu erinnern hatten keinen keinen erfolg, ich hatte sie aufgegeben. der heimweg war schwierig, da ich mich nicht auskannte, die straßen waren mir fremd. die gaslaternen glühten schon spärlich. ich hatte die vage vorstellung, das ganz am ende des häuserzuges abzubiegen sei und das dann stück brachland käme, hinter dem das herrenhaus meiner vorfahren stand. ich fantasierte. als ich dahin kam, an die ecke und herumblickte, setzen sich doch nur die häuser fort und wollten kein ende zu nehmen. ich wußte nicht weiter. unwohl quälte ich mich an den verschlossenen türen vorbei. noch endloser erschien diese straße, als die davor und sie begann, wie es schien, in der ferne wieder anzusteigen in eine weite kurve hinein, die wer weiß wohin führt, ans ende der stadt oder zu wieder anderen häusern, die sich kaum unterschieden, alle aus ziegeln, alle braunrot, alle ohne licht, tot und schrecklich still. das herrenhaus gab ich preis, es wird nicht mehr auftauchen, kein bequemer sessel, kein glas zum nippen, kein brennender kamin. plötzlich stand da eine frau auf dem wege vor der tür, nur noch ein paar schritte entfernt, hätte ich sie nicht noch bemerkt, hätte ich sie sicher angerempelt. sie sah zu mir rüber und grüßte, dachte wohl ich würde vorbeigehen. es schien sie nicht zu wundern, das ich ihr fremd war, hätte sie mich erkannt, würde sie nicht nur beäugt haben. nein, sie schien kein interesse zu haben, mich aufzuhalten. die frau war dick und trug ein kittelschürze über ihrem unterkleid, das hervorsah, keine strümpfe, pantoffeln. sie hatte sich eine zigarette angezündet und rauchte hastig, so, als hätte sie etwas erschreckt oder angestrengt. ich versäumte es mich vorzustellen, ich fragte direkt, ob es hier in der umgebung ein großes haus mit feldern gäbe, pferden und kutschen. sie dachte nach, was ich so deutete, das sie versuchte, mir den weg zu beschreiben und eben noch die wegmarken sortierte. so war es nicht. "nein", sagte sie, "hier nicht", nach einer pause, "kennen sie den herrn utgeritten, der sprach auch immer davon, von seinem schönen großen haus, er hat's verloren, war dann hier" sie sah mich nachdenklich an und schien einen verdacht zu haben, "hat der utgeriitten sie geschickt?". "wer?". "der utgeritten. kennen sie ihn nicht, den utgeritten?". "wer ist den utgeritten?". "der utgeritten, der schuldet mir die miete, schon ein paar jahre, verschwunden ist er, hat alles dagelassen, bücher, viele bücher, hat viel gelesen, der herr utgeritten, stehen alle noch oben, in seinem zimmer".
sie hatte sich eine zigarette angezündet
und rauchte hastig, so, als hätte sie etwas erschreckt oder angestrengt
Mittwoch, 18. Februar 2015
110. fortsetzung " nirgendwo "
der andere war gegangen, hatte sich nicht verabschiedet, weiß auch nicht wohin, vor mir auf der treppe war er nicht mehr aufgetaucht. ich bin heute schon viel gelaufen. wann war ich den losgegangen und wo kam ich her? "was für eine dumme frage, sieh doch, da unten bist du zuhause" flüsterte eine stimme in mir, die ich nicht kannte. "sei froh, daß du dich nicht erinnerts!". "ich erinnere mich nicht?, wer behauptet das?". "weißt du denn, wie du heißt?" "ja!, ich bin, der reihe nach, ein wesen, das...., zu dumm!,... seinen namen nicht mehr weiß?". also doch. ich wurde langsam müde, "seid still! ich muß noch ganz nach unten!" ich stütze mich auf die mauer und versuchte auf den beinen zu bleiben. "was wartet den dort unten?". "ich will jetzt gehen, seid ruhig!" ich hielt mir die hände vor die ohren. "wir wünschen dir alles gute, gute,..gute" vom echo das auf gute hallte, wurde mir noch unwohler. "ich kenne sie nicht, hört auf zu rufen, sie heißt so nicht!". "wie heißt sie denn?". ich fand keinen namen, wieder nicht. "mach dich heim!". es klang unhöflich, wie ein befehl. "ich gehe heim, wenn ich will! seid endlich still!". ich atmete tief durch. ich setzte mich auf die mauer und baumelt mit den beinen. sie waren weg, die stimmen. sonst war niemand da. "na, dann geh ich mal nach hause". ich schlenderte, hüpfte die treppen hinab, schlenderte wieder, dreht mich, tanzte und hüpfte noch eine treppe hinab. bald war ich unten und ging zielstrebig die straße entlang. die schmalen häuser wischten an mir vorbei. ich roch die ziegelsteine und sie rochen alle kalt. "wenn kein feuer gemacht wird, kann es auch nicht wärmen, und was kalt ist, riecht auch so, wie teerige lappen, wie der kahn, dort im kanal", dachte ich.
ich setzte mich auf die mauer und baumelt mit den beinen.
sie waren weg,
die stimmen.
sonst war niemand da.
"na, dann geh ich mal nach hause"
Samstag, 14. Februar 2015
109. fortsetzung " nirgendwo "
er fiel plötzlich um. er fiel vom stapel der aufgeschichteten ziegelsteine, die im torbogen lagen. ich blickte zur unterstadt, betrachtete das abfallende gelände im abendlicht, gerade waren die laternen angegangen. ich war mit zwei begleitern unterwegs und hatte sie hierher geführt, "wir können auch hier runter gehen" sagte ich und ihnen war es recht. ich hatte die strassen im blick, die harmonika der kleinen häuser und reagierte nicht, als er abstürzte. die bewegung gefiel mir nicht, sie hatte etwas störendes, der mann fiel einfach aus dem gefüge, veränderte das bild, seine abwesenheit aber befreite auch, da wo er eben noch stand und den blick verstellte, kam nun der abend noch tröstender herauf, gerade ging noch ein licht an da unten, schien mir. mein anderer begleiter sah auch nur kurz hinunter, ohne zu helfen zu wollen. er schien verärgert, ich glaube es ärgerte ihn, das so etwas geschah, so etwas unerwartetes, was gab es da noch zu helfen. der dünne mann im stoffanzug, irgendetwas graues, tweed ohne muster, salz und pfeffer, fiel vom schlag getroffen nach unten und lag nicht erreichbar am grunde des steinhaufens. bevor ich wegsah, sah ich dem abgestürzten kurz ganze nahe, sein gesicht, seine augen, die plötzlich zu mir aufsahen, durch mich hindurch blickten, schwollen an, verformten sich blitzschnell, wurden riesig und eher dreieckig. ich sah in die augen einer libelle. das endgültige nahm ich hin und starrte gebannt auf die augen, lebende wasserkugeln, die leuchteten. dann verschwanden sie, wie fenster hinter vorhängen unter den lidern und blieben weg. da lag keiner der mich anstarrte. nun machte ich mich doch auf den weg hinab. als ich den abstieg geschafft hatte und mich auf dem platz befand, wo er liegen sollte, hockte er gespannt vor der wand, zögerte kaum und sprang mir entgegen, er sprang aber weiter und höher als ich erwarten konnte, er war über mich hinweggesprungen und dann nicht mehr da.
der dünne mann im stoffanzug,
irgendetwas graues, tweed ohne muster, salz und pfeffer,
fiel vom schlag getroffen nach unten
und lag nicht erreichbar am grunde des steinhaufens
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