"wenn es so endet, daß alle tinte in den stoff läuft, was soll ich dann noch ins buch bekommen", sprach ich zwischen die seiten, während sie mir durch die finger glitten. "sie haben nichts geschrieben", sagte die frau im pelz und streichelte meine hand, die immer noch den füller begrub. "schauen sie nur!", sie drehte mir die hand herum und betrachtete die tinte die noch feucht war, "ich beschmutze mich mit ihrer tinte, mein herr", dabei strich sie mit der fingerkuppe langsam durch die nasse tintenpfütze in meiner gekrümmten hand und pustete nach einer feder, die beinahe gelandete wäre. die feder flog auf der woge davon und landete kurz darauf trotzdem, abseits auf dem weißen, so daß ich sie nicht mehr beachtete. mich interessierte nur noch die schwärze, die sie mir ankündigte und mir ins gesicht trug. "wie zwei kastanien liegen ihre augen dort in ihrem gesicht, mein herr", sagte sie und betrachtete mich nachdenklich, dann fuhr sie mit fort, "sie sind schwarz geworden, und die kastanien sind kaum noch zu sehen", flüsterte sie. "so" dachte ich, "schwarz bin ich". ich hatte die ganze zeit nach unten gesehen und noch nicht einmal ihren finger verfolgt. er war eine weiße motte, die herumflatterte, meinen starren blick kaum beeindruckte. ich starrte in die tinte, in die schwarze tinte. "nun sehen sie schon auf, mein herr, sie sollten nicht die ganze zeit nach unten schauen, sie sind schwarz geworden, na und, sehen sie mich an, bin ich es nicht auch, ganz schwarz, oder?". das klang fordernd, so daß ich nicht anders konnte und hinübersah. da sahen mich smaragdgrüne augen an, die tauchten aus der schwarzen haut auf, die sich über den knochen spannte. "da drinnen tragen wir immer noch elfenbein und rotes blut strömt unter der haut. diese schwärze, mein herr, soll sie nicht beängstigen, ich bin schneeweiss und sie eine rothaut". ich verstand nicht, denn alle haut zeigte sich immer noch tiefschwarz.
Samstag, 28. Dezember 2013
82. fortsetzung "nirgendwo"
"wenn es so endet, daß alle tinte in den stoff läuft, was soll ich dann noch ins buch bekommen", sprach ich zwischen die seiten, während sie mir durch die finger glitten. "sie haben nichts geschrieben", sagte die frau im pelz und streichelte meine hand, die immer noch den füller begrub. "schauen sie nur!", sie drehte mir die hand herum und betrachtete die tinte die noch feucht war, "ich beschmutze mich mit ihrer tinte, mein herr", dabei strich sie mit der fingerkuppe langsam durch die nasse tintenpfütze in meiner gekrümmten hand und pustete nach einer feder, die beinahe gelandete wäre. die feder flog auf der woge davon und landete kurz darauf trotzdem, abseits auf dem weißen, so daß ich sie nicht mehr beachtete. mich interessierte nur noch die schwärze, die sie mir ankündigte und mir ins gesicht trug. "wie zwei kastanien liegen ihre augen dort in ihrem gesicht, mein herr", sagte sie und betrachtete mich nachdenklich, dann fuhr sie mit fort, "sie sind schwarz geworden, und die kastanien sind kaum noch zu sehen", flüsterte sie. "so" dachte ich, "schwarz bin ich". ich hatte die ganze zeit nach unten gesehen und noch nicht einmal ihren finger verfolgt. er war eine weiße motte, die herumflatterte, meinen starren blick kaum beeindruckte. ich starrte in die tinte, in die schwarze tinte. "nun sehen sie schon auf, mein herr, sie sollten nicht die ganze zeit nach unten schauen, sie sind schwarz geworden, na und, sehen sie mich an, bin ich es nicht auch, ganz schwarz, oder?". das klang fordernd, so daß ich nicht anders konnte und hinübersah. da sahen mich smaragdgrüne augen an, die tauchten aus der schwarzen haut auf, die sich über den knochen spannte. "da drinnen tragen wir immer noch elfenbein und rotes blut strömt unter der haut. diese schwärze, mein herr, soll sie nicht beängstigen, ich bin schneeweiss und sie eine rothaut". ich verstand nicht, denn alle haut zeigte sich immer noch tiefschwarz.
Freitag, 13. Dezember 2013
81. fortsetzung "nirgendwo"
ich sah lange hinüber. erleichtert, endlich ruhe gefunden zu haben. es war so ein schöner anblick. und wenn es schepperte, war es kein schlüsselbund. löffel fielen in die tassen, und heisses wasser. es dampfte und zischte aus dem kupferkessel nebenan. eine parade weissen porzellans. salutierende hände in griffhöhe trugen volle tabletts, voll mit tassen und kuchen. feine finger hatten das schleifchen gebunden, an der schürze. feine finge hatten das weisse häubchen auf das dunkle haar gesetzt. als das tablett an mir vorbeischwebte, war da auch ein goldener ring mit grünem seelchen. er blinkte und ich schluckte tapfer, um nicht zu weinen. "sie haben feuchte augen, mein herr. haben sie geweint?". ich wurde angesprochen und war überrascht. sie stellte ihre schlittschuhe zurseite und öffnete den mantel, setzte sich mir gegenüber und befreite sich aus den ärmeln. "nein!", log ich, "meine augen sind..", ich suchte nach einem wort,".. gereizt, ..ja". sie glaubte mir nicht, aber widersprach nicht, sondern betrachtete mich, indem sie mir in die augen sah und den blick dort ruhen ließ, ohne daß er mir wehtat. nein, ich konnte mich sogar in ihren augen weiden. "stilles schaf, weisses lämmchen". "was reden sie da?, mein herr". ich flammte auf und fingerte am kragen. das half. sie sah mich, selbst als sie mich keck tadelte, noch so sanft an. sie beugte sich über den tisch und öffnete mir den kragenknopf, einfach so. dann glitt sie zurück und sank ins polster. sie streckte ihre beine und platzierte sie wie außenposten neben meinen. gefangen. auf dem kopf trug sie ein käppchen aus dem selben weissen pelz, wie der mantel. es saß so schief auf dem kopf, das es lustig aussah und wenn sie lachend mit dem rücken gegen die polster schlug, dann wippte es. "haben sie keine tinte mehr?". sie hatte bemerkt, daß vor mir das aufgeschlagene buch lag, und ich sah es auch. ich hatte keine ahnung, wie es dahin gekommen war. ich hatte einen füller in der hand und die hand ruhte darüber. er lag unter meinen fingern, die ihn fast zudeckten und dabei einen tintenfleck verbargen, der ins tischtuch gedrungen war, sich verbreiterte, bis der stoff nichts mehr aufsaugte.
Mittwoch, 11. Dezember 2013
80.fortsetzung "nirgendwo"
ohne zweifel war ich nicht mehr dort, wo ich nichts erkannt hatte, wo ich nichts fand, das taugte, mir zu sagen, aha, dort bist du also, ausser gefecht, mit verbundenen händen zwar, aber voller gewissheit, über den aufenthalt. ich brauchte nicht mehr darüber nachzudenken, denn ich hatte mich ja wiedergefunden und das durchaus kommod im tiefen polster eines sofas, das in einem gasthaus stand. ich blickte mich um und sah durch die scheibe nach draußen. es war schon dunkel oder immer noch, aber das kümmerte mich auch nicht, denn das dunkel glitzerte wie eis, auf dem sich die laternen spiegeln. passanten mit schlittschuhen, die sie an den zusammengebunden riemen trugen, waren unterwegs, kamen von der andern straßenseite herüber oder begaben sich dorthin und verschwanden unter den girlanden aus glühbirnen.
Von Samsung Mobile gesendet
79. fortsetzung "nirgendwo"
so sehr ich mich um meine geschichte bemühte, umso geschichtsloser wurde ich. der planet schien zu ruhen, als läge er im abzugsschacht, als wäre er eine flipperkugel, das licht aus und der automat ohne strom. keines der bunten bilder leuchtete auf, keine musik, kein gejaule. die hunde schliefen zu lange. der tag wollte nicht werden. die nacht war ohne stimme. einmal ein heisernes räuspern, ein kurzes klingeln von ein schlüsselbund, zu kurz, den schließer zu orten. es schien alles erst in vorbereitung, als hätten sie noch keinen plan, als wären sie beim brüten eingeschlafen. es war nicht sicher, ob sie weitermachen. vorerst saßen sie einzeln in kleinen kammern hinter den tischen und warteten ab.
Samstag, 7. Dezember 2013
78. fortsetzung "nirgendwo"
ich konnte sie nicht aufhalten. der buchhalter schien das land vermessen zu wollen, er war schon verschwunden. und die rhabarberinnen entschwebten, so leicht waren sie geworden. ich verlor meine geschichte. kein blatt hatte mehr eine rückseite. es löste sich einfach auf. wo war die schmetternde lerche hoch über dem feld. nur klirrende kälte. keine krähen, aber ein junger bussard, der zupfte etwas fleisch aus den krallen. mir flackerte ein gesicht auf und ich fand keine antwort. da ich nicht mehr folgen konnte, mußte ich bleiben. der ort an dem ich zurückblieb war unklar. filme folgten, ohne daß es mir gelang aufzustehen. könnte ich doch etwas ertasten das blieb. ich konnte die hände garnicht bewegen. sie lagen wie blei neben mir und ich zweifelte, daß ich mich im freien aufhielt. die nachtschwester tauchte auf und versorgte die verwundeten. mich übersah sie oder sie sah mich nicht oder ich lag nicht dort. manchmal schien es mir, als wäre ich eine pistolenkugel, die ihr ziel sucht, nachdem sie die hand des bettlers durchschlagenn hatte und weiterflog. dann war ich wieder nur ein nasses laken. ich bekam schwer luft. wieder versuchte ich zu schlafen. "einfach träumen mein lieber junge". "klammer dich an die füße und flieg". "an die gelben krallen?". "nein, greif mein haar oder soll ich dich hochnehmen?". "nimm mich hoch". ihr haar roch gut und über der brust lag ein frisches weisses tuch. ich hustete und sie strich mir über die stirn.
Dienstag, 12. November 2013
77. fortsetzung "nirgendwo"
ich blieb immer weiter zurück, konnte nicht mehr folgen, nagte am zweifel, artig das alte brot kauend, ein stilles mäuschen im weiten feld. der trupp war mir entfleucht. die rhabarberinnen schnatterten, aber ich hörte sie nicht mehr. der buchhalter, als wandersmann erschienen, eilte voran. wohin so eilig. oh je, das feld, das streckt sich und mäuse, kleine mäuse sitzen starr. ich luge über die krume und groß ist sein schuh, er tritt und tritt. was für ein kerl. sieh da, es ist der erbsenstreuer, er führt falsch. es ist der falsche, der da führt. "halt, lana, halt!, nicht weitergehen!". mein mäuseruf, ist doch nur feines fiepen, schrill, dann starre ich wieder. wie sie eilen. wie fettig die krume an der hand klebt. ich grabe, komme ich je wieder hier raus?, furche um furche, umlaufe jeden krümel. die glimmernden steine in der erde. so schön. die eisblumen am fenster, sind die ganze woche gewachsen. da ist ein sprung in der scheibe. das feuer geht aus. morgen wird es wieder brennen. ich wackele im bett. das baby schläft noch drüben. ich bin allein. der wind rüttelt irgendwo. was ist, wenn es nicht mehr hell wird. ich kann nicht raus. opa schläft neben oma. ich bin klein, wie eine maus. das weiß ich nicht. ich wachse zu schnell. ich bekomme keine luft. dann holen sie den arzt. ich bin wieder zurück. der opa hat geweint. bin doch gesund und huste nicht mehr. wie die quarzlampe gut riecht. "gerdchen", ruft opa, "wir gehen in den wald". oh ja, und wie wir in den wald gehen, ist schon wieder sommer. und opa nimmt mich überallhin mit. ich träume schon. "das jungchen hat wohl schlapp gemacht!", sagt der buchhalter und beäugt mich. die rhabarberinnen stehn mit ihm kreis. lana kniet neben mir und legt mir den kopf hoch. ich fühle mich so leer. hab ich denn hände? ich versuch's erst garnicht. "ihr dürft ihn aber nicht im feld begraben!", schimpft der schwarze vogel. "ja, sei ruhig, das wollen wir auch garnicht", antwortet der buchhalter. "lana, ich bin so schwach", hoert sie mich?, hab nichts gesagt. opa war mit mir beim schwarzwaldmädel. haben die schöne hüte gehabt, mit roten kugeln. die rhabarberinnen summten schon. ach, bitte, bitte, summt, weißt du, so wie es summt, wenn bienen vor den blüten stehen. "lana, hast du mich verloren?". "nein, punkt, du bist nicht tot". "lebe ich?". "ja! bald spürst du es." das bienchen summte garnicht fein, es brummte gar und verschluckte sich. rückwaerts fliegt es, auf zur nächsten tüte. leckereien. die bonbonreste in der tüte für den fünfer. was ist da alles drin?, "i gitt!, eins ist ranzig". "was redest du?" "ach lana, war beim knusperhäuschen, bonbonreste kaufen". der himmel verfinstete sich. "da, der erbsenstreur will mich holen!". "was redet er nur, das jungchen?". "er ist es nicht, er greift in die tasche, sieh doch, lana, er greift, um erbsen zu streuen". ich kann sie riechen. die fette erbsenmast. die schale platzt. da springen alle mann auf einmal aus der erde. hui! wie das weht. sie springen neben mir heraus. einmal noch. wieder alle. und noch einmal. wieder alle. "du nimmst ihm das licht, buchhalter, beug dich nicht so tief hinab". da fährt er hoch, der kopf. und wieder scheint die sonne auf die vogelscheuchen. das feld ist umgepflügt. die krähen finden reichlich futter. "tragt ihn, fragt ihn", schnatterte lana den rharbarinnen zu. die fragten mich zwitschernd, wie das vöglein, das hoch über dem feld steht. "willst du hoch zu mir?". "ja, vöglein, ich will hoch dir!". da wurde mir leicht. ich lag auf weichen kissen und lana folgte. ich sah ihr liebes gesicht ganz verkehrt, ach wie lustig das war. "wohin geht die reise?", fragte ich frech. "ach", sagte lana,"wir ziehen so durch's freie feld und wenn's dir besser geht, kommen wir vielleicht, vielleicht, na, mal sehen, jetzt ruh dich noch!". der buchhalter sah sich nach mir um, "hat wohl wenig gegessen. nicht gefruehstueckt. ja, ja!". ich sah ihn garnicht gern, aber er wird es ja wohl sein, der buchhalter, ja, er ist's, denn als ich nochmal blinzelte, da blinzelte er zurück, der kerl.
Samstag, 2. November 2013
76. fortsetzung "nirgendwo"
ich war im oberstübchen gelandet und äugte vorsichtig aus dem fenster, so wie einer, der nicht gesehen werden will. aber kaum sah ich heraus, traf ich lanas blick. alle standen vor dem wirtshaus, das jetzt ein ruhiger ort war. tische und bänke waren ausgeräumt. eine lange bank, an der wand beim eingang, hatte man stehengelassen. da saßen die männer nebeneinander. da sie keine ahnung hatten, warteten sie nicht. die frauen versorgten sie, brachten sie abends nach hause und morgens wieder hierher. das war nun die regel. eines tages, es war wohl eine woche vergangen, daß ich im oberstübchen saß, unentschloßen, mit schlechten gewissen, lana und die anderen warten zu lassen, da lärmte es im oberen flur. die schnauzbärte hatten die erbse im ausguß verloren. da war ihr bad mit dem führer beendet. sich gegenseitig die schuld zuweisend, polterten sie die treppe hinunter, nur das handtuch umgebunden. sie bekamen gar nicht mit, daß das wirtshaus ausgeräumt war und waren schon am ausgang, als sie da den buchhalter bemerkten, der dort mit den anderen seit tagen stillstand und darauf wartete, das ich mich doch noch entschlöße. sieh an, dachte ich, es geht doch noch etwas voran. das wunderte mich, denn immer wenn ich aus dem fester sah, standen sie still und warteten, nur lana erblickte mich jedesmal. sie stand neben punkt karo, der nicht gut zu sehen war, er stand mit dem rücken zu mir. er schien unentschlossen, steckte sie hand in die tasche, zog sie wieder heraus, strich sich durchs haar, wie ein aufziehmännchen, das hakte. lana deutete mit beiden händen auf punkt karo, sah mich fragend an und hob die schulter zur frage. "komm doch endlich" schien sie sagen," punkt karo will ohne dich nicht weitergehen und wir auch nicht. sollen wir ewig hier unten stehen?" die schnauzbärte hatten sich, vor dem buchhalter flüchtend, über den haufen gerannt, ohne erbse, ohne führer, ohne kleider. der buchhalter nahm die beiden an die hand, zog die nach vorne gebeugten schlotterten nackten, die sich kaum sträubten hinter sie wendetür, wo sie ins nichts fielen. er schloß ab und schaute vergnügt, als er zurück kam. ich versteckte mich nicht mehr hinter der scheibe, sondern öffnete das oberstübchen und ließ, tagelang eingeschlossen, endlich luft hinein. "lana", rief ich und zeigte auf punkt karo, "bin gleich zur stelle". punkt karo sah nach oben und sagte, "lana, wir können gehen!"
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